Max Schmehl

Lebensmittelladen

Unbemerkt von allen globalen Ereignissen und Neuigkeiten, mit denen wir alle tag - täglich überhäuft werden, geht voraussichtlich Mitte Dezember ein kleines Stückchen Neuhauser-Stadteilgeschichte zu Ende.


Dann nämlich werden Maria und Maximilian Schmehl das letzte mal nach einem um 5:00 Uhr begonnen Tag um 18:30 Uhr den Schlüssel im Schloss ihrer Ladentür der Heideckstraße 9 umdrehen und ihrem geliebten Kunden und ihrem Tante Emma Laden Lebe Wohl sagen. Nach mehr als 43 abwechslungs- und erlebnisreichen Jahren ist dann endgültig Schluss mit der letzten noch verbliebenen Zeitmaschine, die nicht nur bis heute noch regelmäßig für leuchtende Kinderaugen sorgt, sondern auch vom Alltag gestressten Jungmanagern und Eltern, aber auch hilfebedürftigen Senioren stets ein willkommener Ort ist, um für kurze Zeit ein wenig zu entschleunigen und sich den Luxus zu gönnen, sich von realen Menschen bedienen zu lassen, die nicht nur einem wie in der Lebensmittelbranche leider mittlerweile üblich- eher mäßig bezahltem Job nachgehen, sondern für die Ihr Geschäft bisher einen Großteil ihres Lebens, weit über die 9 täglichen Öffnungsstunden hinaus (ohne Hin- und Wegräumen, geschweige denn Einkauf, der selbstverständlich auch selbst getätigt wird) an 6 Tagen in der Woche bedeutet hat und an dem die Trennung von privatem und geschäftlichem Leben maximal während der Mittagszeit stattfinden konnte.


Maria, hatte bereits ihre Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in diesem Geschäft gemacht, welches seinerzeit noch von ihren Eltern geführt wurde, die es kurz nach Ende des 2. Weltkrieges als Kolonialwarenhandel eröffnet hatten und anfangs noch die Waren regional bei den sich im Umland befindlichen Landwirten bezogen, um die ausgehungerten Münchner mit Lebensmitteln zu versorgen. Als dann Marias Eltern 1973 aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage waren, das Geschäft weiter zu führen, bedurfte es schon einiger Überlegung, ob man den Sprung in die Selbständigkeit wagen sollte, oder doch lieber weiterhin seinem sicheren Job im Angestellten-Verhältnis (Maria bei Bärenmarke und Max als damals sehr gefragter Werkzeugmacher mit Perspektiven) nachgehen wollte, zumal man ja mittlerweile auch nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich war, sondern bereits eine kleine Familie gegründet hatte und somit ein Mäulchen mehr zu stopfen hatte? . Aber nach dem Motto: "den mutigen gehört die Zukunft" haben Maria und Max den Sprung ins kalte Wasser gewagt und ihn bis heute nicht bereut. Obwohl langsam die Zeit der Supermarktketten begann und sich sowohl Tengelmann, als auch plus , eine Querstraße weiter ansiedelten, später auch dm und Schlecker, haben die beiden es im Gegensatz zu vielen der oben genannten Wettbewerber bis heute geschafft, schwarze Zahlen zu schreiben. Zwar würden sie gemessen an den eingesetzten Stunden hier oft nicht auf Mindestlohnniveau kommen, da die beiden ihr Geschäft jedoch nie als bloße Arbeit, sondern stets auch als Teil ihres sozialen Ganzen gesehen haben, wurde hier niemals so gerechnet. Günstiger Weise ist dem Geschäft auch eine kleine Wohnung angeschlossen, welche anfangs (lang vor Zeiten des Internets) nicht nur den Vorteil bot, dass vergessliche Kunden auch nach Feierabend, oder gar am Wochenende mal das ein oder andere schnell nachholen konnten, sondern, die es auch ermöglichte, dass der heranwachsende Sohn ganz ohne Nanny aufgezogen werden konnte und so für ihn das Schlaraffenland lediglich ein paar Treppenstufen weit entfernt war, was weder seiner Figur, noch seiner Gesundheit nachhaltig geschadet hat.


Die Schmehls waren stets darauf bedacht, ihren Kunden Qualität zum angemessenen Preis zu bieten, was aufgrund der zunehmenden Konkurrenz durch Supermarktketten und Discounter stets eine Herausforderung war. Die Kunden waren sich dessen jedoch stets bewusst und haben dies durch ihre Treue honoriert, nicht auch zuletzt deshalb, weil es nach wie vor im gesamten Umfeld wohl keine so leckeren selbstgebackenen Kuchen/Plätzchen zu kaufen gibt wie in der Heideckstraße 9. Auch die selbstgemachten Schnitzel und Fleischpflanzerl gelten als Geheimtipp. Der beste Beweis hierfür dürfte sein, dass immer wieder ehemals junge Familien, die mittlerweile ob des Kostendrucks, des Jobs, oder der erweiterten Platzbedürfnisse längst weit entfernt von ihrem ehemaligen Heideckviertel leben vorbeischauen, nicht nur um Hallo zu sagen, sondern auch um die Gelegenheit zu nutzen die ein oder andere Leckerei für ihre Lieben einzukaufen. Die Entscheidung nun von all dem Abschied zu nehmen fiel ?der ganzen Familie- sehr schwer, aber ich denke, dass es jeder den beiden gönnen wird, ihr Geschäft mal länger, als 3 Wochen im Jahr zu schließen, auch wenn es nun für immer sein wird. Bleibt nun noch zu hoffen, dass die Geschäftsübergabe an den gemeinnützigen Wohnungsverein reibungslos von statten geht, damit für die beiden Eheleute der Start in ihren neuen Lebensabschnitt ohne negative Erinnerung beginnen kann. Danke und alles Gute sagt Robert Schmehl! (der Sohn)

 

Heideckstr. 9
80637 München - Neuhausen

Tel. 089-157 66 28

Öffnungsstatus:

in diesem Moment geschlossen

Öffnungszeiten von
Max Schmehl:

Mo - Fr 06:30 - 13:00 ,
15:00 - 18:30
Sa 06:30 - 12:00
So geschlossen
 

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